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Südländisches Flair

Regensburg ist wirtschaftlich gesehen ein "Newcomer", da die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts relativ spurlos an der Stadt vorüber gegangen ist.

Diese Besonderheit hat mehrere Vorteile: die Innenstadt blieb im zweiten Weltkrieg weitgehend von Luftangriffen verschont und negative Begleiterscheinungen der Industrialisierung, wie z.B. Umweltschäden, Altlasten oder Industriebrachen, spielen eine untergeordnete Rolle.

Andererseits entstanden dadurch spezifische Herausforderungen, wie z.B. große Sanierungsaufgaben in der Altstadt oder ein erheblicher Nachholbedarf bei der überörtlichen Verkehrsanbindung. In der Zwischenzeit verfügen wir jedoch über hervorragende Anbindungen in alle Richtungen und sogar der internationale Flughafen München ist von Regensburg aus schneller zu erreichen als aus dem Süden Münchens.

Außerdem hat die beispielhafte Sanierung in der Altstadt ein städtebauliches Juwel hervorgebracht, um das wir nicht nur in Deutschland beneidet werden. Mit ihrem schon fast südländischen Flair wird Regensburg als die "nördlichste Stadt Italiens" bezeichnet, was dazu führt, dass die Stadt auch für auswärtige Besucher mit ihrem Lebensgefühl und Flair immer interessanter und attraktiver wird.

Dynamische Entwicklung

Entscheidende Impulse, die diese positiven Entwicklungen mit in Gang gesetzt haben, gingen von der Errichtung der Universität Ende der 60er Jahre und der Gründung der Fachhochschule Anfang der 70er Jahre aus. Die Ansiedlung und der Ausbau der beiden Hochschulen einschließlich des Klinikums hatten vor allem positive Effekte auf das geistige und kulturelle Klima der Stadt und bereiteten den Weg für eine beispiellose wirtschaftliche Entwicklung, die in den 80er Jahren einsetzte.

Voraussetzungen waren neben gut ausgebildeten Fachkräften auch eine leistungsfähige Verwaltung, die flexibel, schnell und kundenorientiert arbeitet. Insbesondere die Ansiedlung des BMW-Werks, das 1986 die Produktion aufnahm und heute etwa 10.000 Mitarbeiter beschäftigt, war ein historischer Meilenstein und löste in Verbindung mit der Chip-Herstellung durch Siemens, jetzt Infineon Technologies, eine Dynamik aus, die nach 16 Jahren nicht nur in der Stadt, sondern auch in der Region noch anhält.

Keine andere bayerische Großstadt weist eine ähnliche Entwicklung auf, alle anderen bayerischen Städte mit über 100.000 Einwohnern mussten nach 1992 zum Teil erhebliche Arbeitsplatzverluste verkraften.

Die wirtschaftliche Struktur der Stadt und der Region Regensburg wird vor allem geprägt vom Dienstleistungssektor. In der Stadt arbeiten 63 % der Arbeitnehmer im tertiären Bereich, in der Region sind es immerhin 52 %. Damit unterscheidet sich Regensburg allerdings nicht von den meisten anderen Großstädten nachindustrieller Prägung. Charakteristisch für Regensburg mit seinen 150.000 Einwohnern ist vielmehr:

der insgesamt hohe Arbeitsplatzbesatz (Arbeitsplätze bezogen auf 1000 Einwohner) und die damit verbundene Umlandbedeutung werden im Reigen der deutschen Großstädte nur von zwei Städten (Frankfurt und Erlangen) übertroffen;
die in den vergangenen 16 Jahren insgesamt sehr positive Entwicklung des Produzierenden Sektors, die entgegen dem allgemeinen Trend verlief und auch in den rezessiven Jahren nach 1992 eine bemerkenswerte Stabilität aufwies.

Nicht nur die Stadt Regensburg als der Wachstumspol Ostbayerns, sondern auch die Region weist eine äußerst dynamische Entwicklung auf. Aus einer Studie des renommierten Europäischen Zentrums für Wirtschaftsforschung und Strategieberatung PROGNOS aus Basel/Schweiz geht hervor, dass die Region Regensburg den dritten Platz und damit eine hervorragende Spitzenstellung unter allen deutschen Technologiestandorten einnimmt.

Nach München und dem Raum Darmstadt (Region Starkenburg) rangiert damit unsere Region vor High-Tech-Standorten wie Karlsruhe, Stuttgart oder Köln.

Unsere Region verdankt ihren Platz auf dem Siegertreppchen vor allem kräftigen Wachstumsraten in Bereichen, die auf die Wirkung der Hochschulen zurückzuführen sind: So weisen die Ingenieure und die hochqualifizierten Arbeitnehmer in technologieorientierten Wirtschaftszweigen die höchsten Steigerungsraten im Bundesgebiet auf. Auch beim Anteil dieser hochqualifizierten Arbeitnehmer im High-Tech-Bereich liegt die Region Regensburg mit an der Spitze. Beim allgemeinen Beschäftigungsniveau und der Beschäftigungsdynamik rangiert Regensburg im vorderen Mittelfeld.

Weitere Potenziale vorhanden

Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass die Region Regensburg zwar über eine hohe technologische Leistungsfähigkeit verfügt, jedoch ihre Potenziale derzeit noch nicht vollständig ausschöpft. Positiv formuliert bedeutet dies, dass noch deutliche Entwicklungsspielräume bestehen, die es zu nutzen gilt, bzw. dass sich die Region Regensburg in einem überdurchschnittlich dynamischen wirtschaftlichen Aufholprozess befindet, der in erster Linie durch die Universität, das Klinikum und die Fachhochschule ermöglicht wird.

Dieses "produktive Miteinander von erstklassigen Forschungseinrichtungen und finanzstarken High-Tech-Unternehmen" bildet den idealen Nährboden für ein weiteres kräftiges Wachstum und verstärkte Innovationen. Immer öfter wählen Unternehmen Standorte im Umfeld einer schlagkräftigen Forschungsinfrastruktur, die damit zu einem Schlüsselfaktor für die Standortgunst geworden ist. Das große Potenzial an Forschern und hochqualifiziertem Personal sorgt für einen kontinuierlichen Strom an interessanten und umsetzbaren Forschungsergebnissen. Diese werden dann von ansässigen Unternehmen, wie z. B. BMW, Siemens, Infineon, Osram, Toshiba, Maschinenfabrik Reinhausen oder Alstom, aufgegriffen
(Top-Unternehmen in Regensburg).

Es ist eine der wichtigsten Aufgaben der Politik und der Verwaltung, die Entwicklung innovativer Technologien am Standort Regensburg zu unterstützen. Neben der Automobilproduktion und -technologie, der elektronischen und elektrischen Komponentenindustrie und dem Maschinenbau haben die beiden Zukunftstechnologien Informations- / Kommunikationstechnologie und die Biotechnologie einen festen Platz am Wirtschaftsstandort Regensburg eingenommen.

Regensburg hat sich in den vergangenen Jahren zum Zentrum und Motor der IT-Region Oberpfalz entwickelt. Nach München und Nürnberg ist Regensburg der dritt-stärkste IT-Standort in Bayern. In den rund 1000 Unternehmen des Wirtschaftsraums sind insgesamt rund 20.000 Mitarbeiter beschäftigt. Damit stellt die IT-Branche jeden neunten Arbeitsplatz in Regensburg. Mit Telekom, Siemens, Infineon, Toshiba und OSRAM Opto Semiconductors sind hier Konzerne mit Weltruf tätig.

Keimzelle des aufstrebenden IT-Standorts ist deshalb der IT-Speicher, ein vom Freistaat Bayern und der Stadt Regensburg gefördertes Technologie- und Gründerzentrum für innovative IT-Unternehmen. Das größte IT-Gründerzentrum in Bayern bietet IT-Startups moderne Büros in variablen Größen mit kompletter Büro-Infrastruktur. Der IT-Speicher unterstützt seine Gründerfirmen durch Marketingmaßnahmen, Öffentlichkeitsarbeit, Beratung und Integration in ein Netzwerk. 40 Firmen - davon 30 High-Tech-Gründer mit eigenen innovativen Produkten - haben derzeit ihren Sitz im IT-Speicher.

Um auch in Zukunft über eine gesunde wirtschaftliche Struktur zu verfügen, muss es gelingen, rückläufige Wirtschaftsbereiche durch neue Wachstumsbranchen zu ersetzen. Zu diesen zählt unbestritten die Biotechnologie. In enger Kooperation mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft soll sich Regensburg als "BioRegio" mit dem Ziel positionieren, das an den Hochschulen und am Klinikum vorhandene hervorragende Grundlagenwissen in Produkte, Produktionsverfahren, Dienstleistungen und damit zukunftsorientierte Arbeitsplätze umzusetzen.

Seit 1999 hat die Stadt Regensburg mit kräftiger Unterstützung durch den Freistaat Bayern alle Koordinationsaufgaben mit der Gründung der BioPark Regensburg GmbH auf eine professionelle Basis gestellt. Mit dem Ausbau eines Biotechnologiezentrums auf dem Gelände der Universität wurde ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Biotechnologie-Standortes Regensburg gesetzt.

Nachdem der BioPark auf dem Universitätsgelände inzwischen vollständig belegt ist, laufen derzeit die Vorüberlegungen und Planungen für ein zweites BioPark-Gebäude.

Blick nach vorne

Der Blick in die Zukunft stimmt zuversichtlich. Prognosen des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung und einer Reihe renommierter Wirtschaftsforschungsinstitute gehen davon aus, dass die Region Regensburg auch weiterhin zu den wachstumsstärksten Regionen im Bundesgebiet zählen und von allen bayerischen Regionen die höchste Zunahme bei den Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2010 aufweisen wird.

Diese Prognosen werden nicht von selbst Realität und solche erfreulichen Aussichten dürfen die Verantwortlichen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft nicht dazu verleiten, die Hände in den Schoß zu legen und sich im Lichte des Erfolgs zu sonnen. Vielmehr sind nach wie vor energische Schritte notwendig, um die vorhandenen Kräfte in der Region noch stärker zu bündeln und besser miteinander zu vernetzen sowie die Qualitäten und Standortfaktoren des Wirtschaftsstandortes Regensburg kontinuierlich weiter zu verbessern.

 

 
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