Regensburg
– Stadt der 1000 Denkmäler

Das Gesamt-Ensemble
"Altstadt Regensburg mit Stadtamhof"

Das Ensemble „Altstadt Regensburg mit Stadtamhof“ stand bereits vor der Nominierung als Welterbe unter Denkmalschutz.

Eingetragen sind die Einzelbaudenkmäler, angrenzende Ensembles sowie die Pufferzone. Die Pufferzone umfasst jenen Bereich, der optisch im Blickfeld des Betrachters der zur Nominierung vorgesehenen Zone liegt. Die Grenzen der Pufferzone sind durch die Höhen des Donautales im Norden und Süden der Stadt natürlich definiert, ansonsten durch den Verlauf von Eisenbahn und Hauptstraßen. Das für den Eintrag in die Liste des Welterbes vorgeschlagene Areal entspricht der Ausdehnung Regensburgs nach der letzten mittelalterlichen Stadterweiterung um 1320.

Das Ensemble repräsentiert urbane Kontinuität von der Antike über das frühe ins hohe Mittelalter. Auf diese Weise hat Regensburg ein für den nordalpinen Raum singuläres architektonisches Profil aus Stein entwickelt. Dieses beschränkte sich nicht auf die Ummauerung und auf sakrale und öffentliche Großbauten; es umfasste ebenso den Typus des – aus Stein gebauten – Regensburger Bürgerhauses. Zahlreiche, zumeist romanisch-frühgotische Vertreter dieser architektonischen Gattung sind erhalten, so dass sich die mittelalterliche Stadtanlage in einer für nordalpine Verhältnisse außergewöhnlichen Geschlossenheit und Authentizität darbietet. Die bedeutendsten Baudenkmäler der Stadt wie der Dom, das Rathaus, die romanischen Sakralbauten oder auch die gotischen Bettelordenskirchen stehen noch immer in ihrem gewachsenen urbanen Beziehungsgeflecht und ragen nicht wie Solitäre aus einer mehr oder weniger austauschbaren Nachkriegsbebauung heraus.

Unter dem Aspekt der repräsentativen Bürgerhausarchitektur ist Regensburg deshalb so bedeutend, weil sich zahlreiche Haustürme aus der Frühzeit des deutschen Städtewesens, dem 12. und 13. Jahrhundert, erhalten haben. Schon vor den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gab es keine andere deutsche Stadt, die auch nur annähernd über so viele „turres“ verfügt hätte. Allein italienische Städte bleiben zum Vergleich.

Regensburg ist die – im doppelten Wortsinn – „romanischste“ Stadt Deutschlands. Für den romanischen, aber auch für den gotischen Wohnbau gibt es nördlich der Alpen keine Parallele. Profane mittelalterliche Architektur ist hier im Original erlebbar wie sonst nur noch in einigen Städten Nord- und Mittelitaliens. Dabei ist das Format von Häusern und Türmen nicht kleinmaßstäblich wie in San Gimignano, sondern großstädtisch wie im Oltrarno von Florenz oder in Bologna. Das Phänomen der Hauskapellen des städtischen Patriziats macht die mittelalterlichen Regensburger Bürgerhäuser auch im Vergleich zu italienischen Städten einzigartig.

Regensburg war sehr lange Zeit – von der Antike und dem frühen Mittelalter bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs – als Residenz- und Tagungsort von höchster politischen Bedeutung. Politische Repräsentation in ihrer ganzen Vielschichtigkeit ist auch noch heute im Stadtbild Regensburgs ablesbar: vom Dombezirk über die Stifts- und Klosteranlagen, die Kurien der Domherren, auswärtigen Bischöfe und Äbte, zu den Herzogs,- Königs- und Kaiserpfalzen und zum Rathaus, in dem sich reichsstädtisch-regensburgische und reichsständische Repräsentation überschnitten.

Regensburg verfügt heute noch mit dem Schloss der Fürsten von Thurn und Taxis, dessen gut erhaltener mittelalterlicher Kern die Gebäude der säkularisierten Reichsabtei St. Emmeram sind, die - nach der Zahl der Räume - größte bewohnte Fürstenresidenz Europa.

Regensburg ist die innerhalb ihrer Mauern durch das Nebeneinander von evangelischer Reichsstadt auf der einen und reichsunmittelbaren katholischen Territorien (Hochstift, Reichsstifte Ober- und Niedermünster, Reichsabtei St. Emmeram) auf der anderen Seite geprägt. Die damit verbundene, bis heute ablesbare bauliche Repräsentation ist im gesamten Gebiet des einstigen Hl. Römischen Reichs von größter Bedeutung.

Die Möglichkeit, die vielschichtige Religionsgeschichte einer Stadt an ein und demselben Platz in exemplarischer und didaktisch aufbereiteter Form zu erleben, und das hohe Gut authentischen Baubestandes machen den Regensburger Neupfarrplatz mit seinem archäologischen Untergeschoss zu einer ganz besonderen Dokumentationsstätte..

 

Die Kernaussagen der Bewerbung

Regensburg bietet den größten zusammenhängende Bestand an romanischer und gotischer Architektur nördlich der Alpen

Der Bestand an originaler romanischer und gotischer Architektur ist, da die Regensburger Altstadt von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs weitestgehend verschont geblieben ist, seit 1945 singulär. Die Regensburger Altstadt ist die einzige erhaltene mittelalterliche Großstadt Deutschlands. Der Zusammenhang von öffentlichen Gebäuden, bürgerlichen Wohnbauten, Handwerkerhäusern und den bedeutenden Anlagen der Kirchen, Klöster und Stifte liefert ein authentisches Bild des andernorts in Deutschland untergegangenen baulichen Rahmens mittelalterlicher Stadtkultur. Die zahlreich erhaltenen romanischen und gotischen Patrizierburgen und großen Bürgerhauskomplexe mit ihren Geschlechtertürmen sind ein hervorragendes Beispiel für einen Gebäudetypus, der - von Italien beeinflusst - in dieser Dichte und Anschaulichkeit nördlich der Alpen einzigartig ist. Neben diesem singulären Bestand an frühen Steinbauten besitzt Regensburg mit dem um 1250 datierten Haus Keplerstraße 2 auch das älteste vollständig erhaltene Holzhaus Deutschlands.

 

Regensburg war das bedeutendste Zentrum mittelalterlicher Baukultur in Süddeutschland

Aufgrund seiner wirtschaftlichen und politischen Bedeutung im frühen und hohen Mittelalter fiel Regensburg eine Schlüsselfunktion für die Stadtentwicklung nördlich der Alpen zu. Sowohl die sakralen als auch die profanen Bauwerke des Mittelalters gehören zu den Spitzenleistungen dieser Epoche. Spuren menschlicher Existenz finden sich in der Regensburger Bucht ab der Altsteinzeit für alle Epochen der Menschheitsgeschichte. Anhand des Fundgutes lassen sich bereits Handelsbeziehungen bis in den Schwarzmeerraum nachweisen. Als aufstrebende Handelsmetropole im frühen Mittelalter hat Regensburg mit seiner Architektur die Stadtentwicklung nördlich der Alpen nachhaltig beeinflusst. Dies gilt sowohl für die Vielzahl vorbildhafter architektonischer Lösungen, die im sakralen wie im profanen Bereich weit ins Umland ausstrahlte, als auch für die Entwicklung des Stadtganzen: Herzog Arnulf von Bayern ließ zwischen 917 und 920 die gesamte westliche Vorstadt mit dem weitläufigen Areal der Abtei St. Emmeram ummauern. Einen vergleichbaren Mauerbau gab es vor der Jahrtausendwende in keiner anderen europäischen Stadt. Es handelt sich dabei um die erste archivalisch belegte nachantike Stadterweiterung nördlich der Alpen. Die großen romanischen und gotischen Kirchenbauten und Klosteranlagen - St. Emmeram, Alte Kapelle, Niedermünster, St. Jakob sowie der Dom als einziger von der französischen Kathedralgotik beeinflusster Kirchenbau Bayerns - sind herausragende künstlerische Leistungen ihrer Zeit. Die Bettelordenskirchen der Minoriten und Dominikaner sind sehr frühe architektonische Beispiele der sich verändernden Glaubenshaltung im späten Mittelalter. Der spätgotische Rathauskomplex zeigt in herausragender Form alle Funktionsteile eines mittelalterlichen Rathauses. Die von 1135 bis 1146 errichtete Steinerne Brücke besitzt den Rang eines einzigartigen mittelalterlichen Ingenieurbaus. Sie gehört zu den Hauptwerken europäischer Brückenbaukunst des Mittelalters und war lange Zeit der einzige gemauerte Donauübergang zwischen Ulm und Wien.

Regensburg vereint in seinem Denkmalbestand in für Deutschland einmaliger Weise Zeugnisse politischer und konfessioneller Repräsentation

Politische Repräsentation

Als exponiertes römisches Legionslager, als frühmittelalterliches Zentrum des ostfränkischen Reichs, als vielfacher Tagungsort von Reichsversammlungen bis in die Neuzeit und vor allem als Sitz des Immerwährenden Reichstags von 1663 bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs 1806 war Regensburg einer der wichtigsten Schauplätze europäischer Geschichte.

Als Kaiser Marc Aurel im Jahre 179 n. Chr. das Legionslager Castra Regina anlegte, sollte am nördlichsten Punkt der Donau ein mächtiger Militärstützpunkt geschaffen werden, der zum Feind hin besonders repräsentativ ausgestattet war (porta praetoria). Die Stadt war Hauptsitz der bayerischen Herzöge bis 788, wichtigster Pfalzort des ostfränkischen Reiches neben Frankfurt, Hauptstadt der bayerischen Herzöge des 10. Jahrhunderts aus dem luitpoldingischen und dem luidolfingischen Haus, bevorzugter Tagungsort von Reichsversammlungen im Südosten des Heiligen Römischen Reichs bis zum 30jährigen Krieg und Sitz des Immerwährenden Reichstags von 1663 bis zum Untergang des Heiligen Römischen Reichs. All diese Phasen hinterließen ihre sichtbaren und immer noch erlebbaren Spuren: die karolingischen Pfalzen am Alten Kornmark und bei St. Emmeram, die Kloster-, Bischofs- und Grafenhöfe des 10. Jahrhunderts, der Sitzungsbereich des Immerwährenden Reichstags und die dazugehörigen Gesandtschaftshäuser. Ferner finden sich noch in seltener Differenziertheit bauliche Zeugnisse lokaler, politisch unabhängiger Herrschaftsmittelpunkte innerhalb der Mauern der Freien Reichsstadt Regensburg. Seit 739 ist die Stadt Sitz eines Bischofs, der seine Residenz bis zum Ende des Alten Reiches benutzte (Bischofshof, Dom, Dompfarrkirche St. Ulrich und Domherrenhöfe). Außerdem gab es drei Klöster, die die Reichsstandschaft innehatten: St. Emmeram, Ober- und Niedermünster.

Verlinkte Abbildungen "Politische Repräsentation": Porta Praetoria, Bischofshof, Brixner Hof, Herzogshof, Römerturm, Altes Rathaus, Palais Löschenkohl

Konfessionelle Repräsentation

Als südöstlichste evangelische Reichsstadt wurde Regensburg im 16. Jahrhundert zum Vorposten für die Verbreitung der lutherischen Lehre entlang der Donau nach Südosten

Die Schlüsselfunktion, die Regensburg im 16. Jahrhundert als für das Vordringen des Protestantismus nach Österreich, Ungarn und die heutigen Staaten Slowenien und Kroatien zukam, wird noch an zwei monumentalen Sakralbauten anschaulich: an der Neupfarrkirche und an der Dreieinigkeitskirche. Die Neupfarrkirche, ab 1519 als baulicher Mittelpunkt der bedeutendsten spätmittelalterlichen Wallfahrt Mitteleuropas erbaut und seit 1542 durch Ratsbeschluss dem evangelischen Gottesdienst vorbehalten, macht in exemplarischer Form den konfessionellen Wandel der Reformationszeit anschaulich. Sie ist aber nicht nur die älteste evangelische Kirche Regensburgs, sondern vor allem auch die Mutterkirche der lutherischen Christen im südöstlichen Mitteleuropa. Daher suchten im Gegenzug vom späten 16. Jahrhundert bis 1732/33 Abertausende von Protestanten aus den österreichischen Gebieten auf der Flucht vor der Rekatholisierung in ihrer „Muttergemeinde“ um Aufnahme an. Angesichts dieser überregionalen Bedeutung der Reichsstadt Regensburgs als Hort des Luthertums beschloss der Rat der Stadt 1627 den Bau einer neuen, großen evangelischen Kirche. Von Grund auf als protestantische Stadtkirche errichtet und ausgestattet, wurde die Dreieingkeitskirche zum Prototyp evangelischer Sakralarchitektur in Süddeutschland.

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